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Hypertonie (Bluthochdruck)

 Die Ursache für eine Herzinfarkt, Schlaganfall oder Durchblutungsstörungen der Beine stellt in der Mehrzahl die sogenannte Atherosklerose dar, unter welcher man die Veränderung der organversorgenden Gefäße in der Art versteht, dass es zu Engstellen oder sogar Verschlüssen dieser Gefäße kommen kann. Die Folge davon sind unter anderem der akute Herzinfarkt, der Schlaganfall oder die gehstreckenabhängigen Schmerzen in den Beinen im Sinne einer Schaufensterkrankheit. Die Ursachen für die zu Grunde liegenden Gefäßveränderungen sind gut definiert :

  • Diabetes mellitus
  • Nikotin
  • Blutfettwerterhöhung (Hyperlipoproteinämie)
  • Familiäre Belastung und
  • ….der Bluthochdruck.

Basierend auf 21 Studien aus der letzten Dekade liegt die Prävalenz (Häufigkeit) der arteriellen Hypertonie zwischen 30% und 45% der Allgemeinbevölkerung in Europa, wobei
ein steiler Anstieg mit dem Alter beobachtet wird.

Nach den aktuellen Leitlinien der Deutschen Hypertoniegesellschaft (Hochdruckliga) gilt unabhängig vom Alter der Ruheblutdruckwert ab 140 mm/Hg systolisch und/oder 90 mm/Hg diastolisch als hyperton (Bluthochdruck), also zu hoch. Dabei wird der Bluthochdruck in 3 Kategorien (Schweregrade oder Stufen) unterteilt. Für den Fall, dass der systolische und der diastolische Wert nicht der gleichen Kategorie zugeordnet werden können, ist die höhere Kategorie gültig.

Der optimale Ruheblutdruck wird mit kleiner gleich 120/80 mm/Hg und der normale Ruheblutdruck kleiner 130/85 mm/Hg definiert.

Kategorie     Systolisch     Diastolisch
Optimal     < 120 < 80
Normal    120 - 129 80 - 84
Hoch normal 130 - 139 85 - 89
Stufe 1 Hypertonie (leicht) 140 - 159 90 - 99
Stufe 2 Hypertonie (mittel) 160 - 179 100 - 109
Stufe 3 Hypertonie (schwer) > 180 >110
Isolierte systolische Hypertonie > 180 < 90

 

Blutdruckmessung

Um eine krankhafte Blutdruckerhöhung festzustellen bzw. auszuschließen, bedarf es wiederholter Messungen an verschiedenen Tagen und zu verschiedenen Tageszeiten. Als Normgrenze für den selbstgemessenen Blutdruck gelten Werte kleiner gleich 135/85 mm/Hg.

Auch im Rahmen eines fahrradergometrischen Belastungstests kann das Blutdruckverhalten standardisiert und reproduzierbar beurteilt werden. Für 20 bis 50-jährige Männer und Frauen gilt ein Anstieg auf 200/100 mm/Hg bei 100 Watt als obere Normgrenze. In der Erholungsphase nach Belastung mit 100 Watt sollte innerhalb von 5 Minuten ein Wert von kleiner gleich 140/90 mm/Hg erreicht werden. So lassen sich grenzwärtige oder leicht erhöhte Ruheblutdruckwerte besser zuordnen und eine situative Hypertonie ausschließen. Eine systolische Belastungshypertonie ist trotz Normotonie in Ruhe ein verlässlicher Prädiktor für eine spätere Hypertonieentwicklung.

Die ambulante, automatische 24 Stunden-Blutdruckmessung gilt als Goldstandard der Blutdruckmessung. Durch die hohe Messdichte sowohl über den Tag als auch in der Nacht wird diese, im Gegensatz zu den "Ruhemessungen" der physiologischen Variabilität des Blutdruckes und den äußeren Messbedingungen gerecht.

Während ein nur verhältnismäßig geringer Anteil der Bevölkerung sehr hohe Blutdruckwerte von über 160 systolisch aufweist, liegen beim Großteil der Hypertoniker die Blutdruckwerte zwischen 140 und 160 mm/Hg systolisch. Aufgrund der großen Anzahl Betroffener treten in dieser Gruppe absolut die meisten kardiovaskulären Ereignisse und auch die meisten hypertoniebedingten Todesfälle auf.
In Deutschland leben etwa 20 Millionen Hypertoniker, von denen 8 Millionen unbehandelt sind. Von den 12 Millionen behandelten erreichen nur 4 Millionen den Zielblutdruck der Therapie, 8 Millionen erfahren trotz Therapie keine ausreichende Blutdruckeinstellung. Passend zur besonders hohen Hypertonieprävalenz ist in Deutschland auch die Schlaganfallrate im internationalen Vergleich auffallend hoch: Sie beträgt 41,2 pro 100.000 Einwohner. Erhöhte diastolische Blutdruckwerte korrelieren eindeutig mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfall und koronare Herzkrankheit.

In > 95 % ist keine spezifische behandelbare Ursache für den Bluthochdruck eruierbar, sondern man kann ausschließlich die Blutdruckwerte behandeln. Man spricht dann von einer primären Hypertonie.

Folgende Merkmale sprechen für die primäre Natur einer Hypertonie:

  • familiäre Häufung,
  • langsamer Beginn,
  • Symptome des metabolischen Syndroms (Hypertriglyzeridämie, niedriges HDL, Prä/Diabetes und Übergewicht vom Typ der viszeralen Adipositas).

Für einen Bluthochdruck bedingt durch andere Organveränderungen im Körper kommen ursächlich Nierengewebs- und Nierengefäßerkrankungen, hormobedingte sowie kardiovaskuläre (Aortenisthmusstenose, Aorteninsuffizienz, Bradykardie) und pharmakologische Ursachen (Steroide, nicht steroidale Antirheumatika, Ovulationshemmer, Antidepressiva, Immunsuppressiva) in Frage.
Wichtig für jeden Betroffenen ist zu wissen, dass sich der Blutdruck auch mit dem Alter zu höheren Werten per se verändert auf Grund einer erhöhten Gefäßsteifigkeit und daher die Notwendigkeit zu einer Intensivierung der Therapie mit zunehmenden Lebensalter häufig gegeben ist. Bei der Blutdruckeinstellung steht das Erreichen des Zielblutdruckes im Vordergrund, die dazu notwendige Anzahl von Medikamenten ist individuell sehr unterschiedlich und per se nicht vorhersagbar.

Im Mittelpunkte steht die Vermeidung von Organschäden durch erhöhten Blutdruck. Dabei sind nicht nur, wie bisher beschrieben, die Gefäße als solche betroffen, sondern auch die Nierenfunktion verschlechtert sich unter permanent erhöhten Blutdruckwerten, die Herzleistung kann nachlassen und die Augen werden stark in Mitleidenschaft gezogen. Diese sogenannten Zielorgane sollten bei hohem Blutdruck regelhaft auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft werden.

Neben der medikamentösen Therapie steht jedoch die Gewichtsreduktion und die sportliche Betätigung, wie Sie diese in Ihrer Sportgruppe ausüben, gleichberechtigt an der Seite. Häufig lässt sich eine medikamentöse Therapie durch eine Gewichtsoptimierung und sportliche Betätigung nicht ersetzen, aber vielfach kann die Anzahl der notwendigen Medikamente reduziert werden, immer unter Berücksichtigung der nicht vorhersagbaren Individualität des Menschen.

Autor: Frau Dr. med. G. Dörr; 2017