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Bewegung wirkt wie ein Medikament

bewegung wirkt... Tatsächlich kann sie sogar noch mehr als ein Medikament – und das ganz ohne Nebenwirkungen.


Medikamente beeinflussen nur die chemischen Regulationsprozesse des Körpers. Mit Bewegung hingegen können Sie sowohl die chemische Steuerung der Körperfunktionen positiv beeinflussen, als auch physikalische Prozesse in Ihren Gefäßen in Gang setzen, die der Arteriosklerose entgegenwirken.

Wie Bewegung die Gefäße schützt - die physikalische Wirkung

Während der Bewegung fließt das Blut schneller durch die Gefäße als im Ruhezustand. Durch den beschleunigten Blutfluss wirken so genannte Scherkräfte auf die Gefäßwände. Das heißt, die Blutbestandteile werden gegen die Gefäßinnenwand gedrückt und stimulieren diese. Dadurch kommt es zur vermehrten Ausschüttung eines Enzyms, das für die Bildung von Stickstoffmonoxid verantwortlich ist. Dieses wiederum wirkt der Gefäßverkalkung entgegen, indem es die Gefäßwände glättet und die Elastizität der Arterien verbessert. Dieser Vorgang ist so bedeutend, dass für seine Entdeckung 1995 der Nobelpreis verliehen wurde. Was Sie auch wissen sollten: Es gibt kein Medikament, das diesen Prozess in Gang setzt!

Gut für Stoffwechsel und Blutfluss - die chemische Wirkung

Durch die Bewegung erreichen Sie zudem vielfältige Verbesserungen der chemischen Stoffwechselprozesse. Sie bewirken eine dauerhafte Senkung des Blutzuckerspiegels. Vor allem aber kurbeln Sie den Fettstoffwechsel an, was bedeutet, dass Sie die Fettverbrennung des Körpers aktivieren. So sorgen Sie dafür, dass die Reserven in den Fettdepots abgebaut werden.
Zudem beeinflussen Sie Ihre Blutfettwerte positiv. Während die sehr erprobte Medikamentengruppe der Statine (Cholesterinsenker) wirksam den LDL-Spiegel im Blut senken kann, beeinflusst die Bewegung den HDL-Spiegel positiv. Wird die Muskulatur beim Sport aktiviert, kommt es zu einer gesteigerten Produktion eines Enzyms, das an der Synthese des „guten“ HDL-Cholesterins beteiligt ist. HDL transportiert überschüssiges Cholesterin aus dem Blut in die Leber. So hilft es, der Bildung von Plaques vorzubeugen. Das HDL kann sogar Teile des Cholesterins aus den Plaques abtransportieren.

Das trainierte Herz

Das Herz kann - wie jeder andere Muskel - trainiert werden. Ein gut trainierter Herzmuskel ist in der Lage, die gleiche Pumpleistung durch weniger Arbeit zu erbringen. Es wird entlastet, muss weniger schlagen - der Ruhepuls sinkt. Anders ausgedrückt: Das Herz arbeitet ökonomischer. Davon profitieren gerade KHK-Patienten, da Sie einer Unterversorgung des Herzmuskels vorbeugen.

Betrachten wir dazu ein Beispiel. Ein Mensch misst einen Ruhepuls von 80 Schlägen in der Minute. Das entspricht einer Anzahl von 42 Mio. Schlägen pro Jahr. Durch regelmäßiges Training schafft er es, seinen Ruhepuls auf 60 Schläge pro Minute zu senken. Das macht nur noch 31 Mio. Schläge im Jahr, also ganze 11 Mio. weniger als zuvor.

Zugleich kann der Herzmuskel selbst besser mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Denn das Herz kann nur dann mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden, wenn es entspannt ist, also gerade nicht schlägt. Diese Phase im Herzrhythmus nennt man Diastole. Dadurch, dass das trainierte Herz weniger schlagen muss, verlängert sich die Diastole. Wenn der Ruhepuls z. B. um 25 Prozent gesenkt wird, so hat auch der Herzmuskel 25 Prozent mehr Zeit, um Sauerstoff und Nährstoffe zu erhalten.

Sie gewinnen in doppelter Hinsicht: Das Herz muss weniger arbeiten, um das gleiche zu leisten. Zugleich wird es selbst besser versorgt. Damit entlasten Sie nicht nur das Herz, sondern werden vor allem leistungsfähiger. Denn ein trainiertes Herz arbeitet auch in Belastungssituationen ökonomischer.

Übrigens: Die Wirkung von Betablockern, die den Puls bereits wirksam senken und die Durchblutung verbessern, kann durch die Bewegung noch weiter verbessert werden. Mit einem trainierten Herzen und der zusätzlichen Einnahme von Beta-Blockern addieren sich die pulssenkenden Einflüsse. So erzielen Sie eine wirksamere Entlastung des Herzmuskels.

Die Vorteile körperlicher Aktivität auf einen Blick
  • Gefäßwände werden geglättet und elastischer – sie werden teilrekonstruiert
  • Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit werden gesteigert
  • Blutzucker-, Blutfett- und Blutdruckwerte bessern sich
  • Der Stoffwechsel wird angekurbelt (der Energieverbrauch steigt)
  • Ablagerungen in den Gefäßinnenwänden wird vorgebeugt
  • Bereits entstandene Plaques können zurückgebildet werden
  • Weiteren chronischen Krankheiten, wie Diabetes mellitus Typ 2, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz wird vorgebeugt
  • Übergewicht und Fettdepots an den Organen werden reduziert
  • Ihr Kreislauf wird gestärkt und Ihre Beweglichkeit verbessert
  • Atemnot tritt seltener auf
  • Das Aussehen wird frischer und der Schlaf besser
  • Abbau von Stress




Da Bewegung wie ein Medikament wirkt, muss sie auch wie ein solches angewendet werden: regelmäßig und in der richtigen Dosis. Wie das in der Praxis aussehen kann, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V. Phase III (Herzgruppen) - herzgruppenservice.de